la couverture du Culture En Jeu N°60

Le numéro 60 vient de paraître !

Au sommaire :

  • Édito : Descendre dans l'arène (Chantal Tauxe)
  • Dossier : 12 pages sur les Artistes engagés
  • Théâtre, le retour des troupes
  • La guerre des plateformes
  • À Villars-sur-Glâne en attendant Noël
  • Pratique du droit d’auteur
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Religion ist auch Service public

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Wir nutzen alle Radio, TV und Internet. Dabei ist die Qualität des Angebots in der Schweiz sehr hoch. SRF bietet im Service public alles was das Herz begehrt: Information, Unterhaltung, Kultur und Religion. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigt sich in der scharfen politischen Debatte. Diese Debatte rund um den Service public beschäftigt die Kirchen in der Schweiz. „Religion ist auch Service public“, sagt Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums, und betont dabei die Frage des Menschenbildes.


Auch die Kirchen bieten einen Service public an. Was ist Seelsorge und soziale Diakonie anderes als ein allgemeines Gut, das allen zur Verfügung stehen soll. Dies ist zumindest eine christliche Grundhaltung, die der katholischen Kirche gut ansteht. Luc Humbel, Präsident der Römisch-katholischen Zentralkonferenz, hat dies an der Veranstaltung « Service public - ein heisses Eisen » vom 15. Juni 2016 in Zürich auf den Punkt gebracht : « Es kann nicht sein, dass jeder nur bezahlt, was er bezieht. Das ist ein zutiefst undemokratischer Gedanke. » Vielmehr gilt sowohl in der Kirche als auch in den Medien der SRG der Grundsatz, dass Leistungen auch in abgelegene Regionen oder gegenüber Minderheiten erbracht werden.

Religion trägt bei zur Integration

Es ist im Interesse der Kirchen und des Staates, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ein gutes Angebot an Verkündigung und journalistischen Sendungen zu religiösen Themen anbieten ; und zwar in allen Landessprachen. Der Bundesrat bestätigt dies, indem er in seinem Bericht vom 17. Juni 2016 die Integration von Regionen und Religionen in der Schweiz betont. Doch sollten wir dies nicht missverstehen : das Zählen von Sendeminuten in Radio und Fernsehen oder die Anzahl Online-News zu Religion ist nicht das Hauptziel. Vielmehr geht es darum, wie in der Öffentlichkeit mit Religion umgegangen wird. Weil Religion öffentlich ist, wird sie auch diskutiert. Sie wird begründbar und transparent. Das ist ein wichtiger Beitrag der Service-public-Medien zum Dialog und zum friedvollen Zusammenleben in der Schweiz.

Es ist im Interesse der Kirchen und des Staates, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ein gutes Angebot an Verkündigung und journalistischen Sendungen zu religiösen Themen anbiete

Alles dreht sich um das Menschenbild

Im Grunde geht es bei der Sercive-public-Debatte vor allem um das Menschenbild. Sind wir durch die Angebote in Radio, Fernsehen und Internet nur noch als Konsumenten angesprochen, oder gibt es dahinter auch noch mehr ? Aus christlicher Sicht ist diese Frage entscheidend. Als Ebenbild Gottes sind Menschen mehr als nur konsumierende Wesen. Die katholische Soziallehre wendet sich entschieden gegen die ökonomistische Vorstellung vom Menschen, der nur noch den Prinzipien der Gewinnmaximierung und der Effizienz unterworfen wird. Menschen sind nicht identisch mit Konsumenten. Vielmehr handelt es sich bei jedem Menschen um eine Person, die eine eigene Würde besitzt, unabhängig von gesellschaftlichem Status und Finanzkraft. Für diese menschliche Würde setzt sich Papst Franziskus in der Weltöffentlichkeit ein. Er scheint damit zur letzten moralischen Instanz in Europa geworden zu sein. In einer Welt der Verwertbarkeit und des rationalen Kalküls gibt es einen Wert, den wir nicht veräussern dürfen: die Würde des Menschen. Und gerade hier scheint mir, dass auch der Beitrag der Service-public-Medien entscheidend ist. Rein privatwirtschaftlich gesehen wird jede und jeder auf sein Wesen als Konsumentin und Konsument reduziert. Dies widerspricht sowohl dem religiösen Menschenbild der Kirchen als auch der modernen Auffassung des Menschen als mündige Bürgerin oder als aufgeklärter Bürger. Wenn wir als Menschen nur noch Konsumenten sind, dann ist die Grundlage des Service public zerstört. Aber nicht nur das. In diesem Fall sind auch die Religionen mit ihrem Menschenbild gescheitert.

« Service public catholique »

Die Kirchen sind Teil des Service public. Als ethische Impulszentren für die Gesellschaft tragen sie bei zur Integration und stehen ein für Menschenrechte, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Diese Art des Service public ist für den gesellschaftlichen und spirituellen Zusammenhalt in der Schweiz unabdingbar. Deshalb haben auch wir als Kirchenmitglieder und Bürger ein grosses Interesse, dass der Service public weiterentwickelt und gestärkt wird.

© Dr. Charles Martig. Reproduction des textes autorisée uniquement avec l’accord de l’éditeur et avec la citation de la source. Les illustrations sont la propriété de leurs auteurs respectifs.


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