la couverture du Culture En Jeu N°60

Le numéro 60 vient de paraître !

Au sommaire :

  • Édito : Descendre dans l'arène (Chantal Tauxe)
  • Dossier : 12 pages sur les Artistes engagés
  • Théâtre, le retour des troupes
  • La guerre des plateformes
  • À Villars-sur-Glâne en attendant Noël
  • Pratique du droit d’auteur
s’abonner

Disponibles en ligne

Afficher plus de numéros

Eine demokratische Geschichte erzählen alle

imprimer imprimer

“Wir wollen eine demokratische Förderung der Medien. Jeder soll mit seinem Geld nur die Medien bezahlen, die er auch konsumieren will.” So habe ich einen Initianten der No-Billag Initiative in einer SRG-Radiosendung sein Anliegen auf seinen Punkt bringen hören. Und habe gedacht: Das wünschen sich Menschen, die sehen wollen, was sie ohnehin schon sehen. Menschen, die bestätigt haben wollen, was sie an Meinungen in sich eingemauert haben, die desinteressiert sind an Verständnis und Miteinander. Sie haben sich eingeigelt.

Wenn jede nur noch bereit ist, für die eigenen Interessen einzustehen, und jeder nur schaut, dass er bekommt, was er bestellt hat – was hat das mit Demokratie zu tun?“

Eine demokratische Geschichte erzählen alle. Nicht nur die professionellen Erzählerinnen und Erzähler. Da ist jeder und jede relevant, alte Menschen und junge, die mit Arbeit und die ohne, die mit mehr und die mit weniger Bildung, Dragqueens und Pastoren, Unternehmerinnen oder Offiziere, Rentnerinnen und Studenten, jede und jeder ist wichtig, um eine Geschichte zu erzählen, in der alle angesprochen und sichtbar werden.“ So formulierte es Carolin Emcke in ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels.

Im Leistungsauftrag der SRG heisst es, der Service public habe die Meinungsvielfalt sicher zu stellen. Und weiter: „Die SRG unterscheidet sich von kommerziellen Anbietern, weil sie alle Sprachregionen sowie Mehr- und Minderheiten berücksichtigt, ... Kultur nicht nur abbildet, sondern auch Kultur schafft, nicht das Streben nach Quote, sondern die Qualität, Glaubwürdigkeit und Relevanz in den Vordergrund stellt, von politischen und wirtschaftlichen Interessen unabhängig ist.“

Wie sagt es Caroline Emcke: „Diese demokratische Geschichte eines offenen, pluralen Wir braucht Bilder und Vorbilder auf den Ämtern und Behörden, ebenso wie in den Theatern und Filmen - damit sie uns zeigen und erinnern, was und wer wir sein können.”

Anlässlich der Vorpremiere von “Tiere” in Baden hat sich der Kinopatron Peter Sterk die Mühe gemacht, die Filme zu zählen, in denen ich bis jetzt mitgespielt habe. Er kam auf über 40. Mindestens zwei Drittel hat die SRG mitproduziert oder gefördert. Seit meinen ersten Schritten vor der Kamera war die SRG meine konstanteste Arbeitgeberin. Eine Schweizer Filmschauspielerinnen- Laufbahn ist ohne SRG nicht denkbar.

Es waren nicht lauter Meisterwerke. Und ich selber war darin auch bestenfalls momentweise meisterhaft als Spielerin. Aber die meisten davon waren mit Herzblut und Anspruch unternommene Versuche, etwas über unser Leben als Frauen, Männer, Kinder, Bürgerinnen, als Kämpfende und Scheiternde zu erzählen.

Es ging darum, ein Wir und eine gemeinsame Sprache zu schaffen, Verstecktes sichtbar zu machen, Unerlöstes, Unheilbares zu erinnern und zu beweinen. Um das, was Kunst leisten kann und muss. Und was sie überlebenswichtig macht für eine Demokratie. Deshalb braucht sie Schutz und Förderung. Besonders dort, wo sie sich der Zartheit, des Schambeladenen und Verstörenden annimmt. Dort auch, wo Wenige zu Wenigen sprechen.

Wenn wir zulassen, dass solche Arbeiten - seien es Spiel- oder Dokumentarfilme, Hörspiele, Wissenschaftssendungen, Philosophische Gespräche oder Reportagen nicht mehr gemacht und ausgestrahlt werden können (und ein Medienhaus, dass den Gesetzen des freien Marktes unterworfen ist, kann sich kaum solche Arbeiten leisten), lassen wir zu, dass Angehörige von Minderheiten mit besonderen und besonders herausfordernden Biographien noch weniger gehört und verstanden und zunehmend ausgegrenzt werden.

Wir lassen zu, dass uns der Einblick und die Einfühlung ins Andere und in die Vielfalt abhanden kommen. Aber das lassen wir nicht zu.

Das lassen wir nicht zu!

© Mona Petri. Reproduction des textes autorisée uniquement avec l’accord de l’éditeur et avec la citation de la source. Les illustrations sont la propriété de leurs auteurs respectifs.


Nos partenaires